In der Ausstellung „Gespiegelt – Perspektiven zeitgenössischer Radierung“ präsentieren Studierende und Lehrende der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, der weißensee kunsthochschule Berlin sowie der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig ca. 50 aktuelle Positionen des Tiefdrucks.
Mit dem Aufkommen des Holzschnitts im frühen 15. Jahrhundert, des Kupferstichs zur Mitte des Jahrhunderts und schließlich der Radierung kurz vor 1500 wird die Druckgrafik zur eigenständigen Kunstgattung. Mit Persönlichkeiten wie Johannes Gutenberg (ca. 1400–1468), Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, und dem Ausnahmeholzschnitt- und Radierkünstler Albrecht Dürer (1471– 1528) blickt Deutschland auf eine jahrhundertealte Grafiktradition zurück. Heute sind es insbesondere die Kunsthochschulen, die dieses Erbe weitergeben und zugleich neue Impulse setzen. In ihren Werkstätten werden Studierende umfassend in klassischen und experimentellen Tiefdrucktechniken ausgebildet – von Kaltnadelradierung, Strichätzung, Aquatinta, Vernis mou, Reservage, Mezzotinto, Schabaquatinta, aber auch Techniken wie Siebdruck auf Druckkplatten oder mit Fotografie verbundene Verfahren wie Cliché verre oder Photogravur bis hin zu Schnittstellen zur digitalen Welt. Die Ausbildung an den Hochschulen der drei beteiligten Bundesländer ist grundsätzlich gleich und doch gibt es feine, sichtbare Unterschiede.
Bei den Werkstattleitern Maria Ondrej, Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Pedro Boese, weißensee kunsthochschule berlin und Robert Schmiedel, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig entstand gemeinsam mit Katharina Walter, Museum für Druckkunst Leipzig, die Idee ein hochschulübergreifendes Ausstellungsprojekt ins Leben zu rufen. Ziel ist die Vielfalt und Qualität der Ausbildung im Bereich der Radierung sichtbar zu machen und zugleich den künstlerischen Nachwuchs in den Fokus zu rücken. Pro Hochschule sind acht bis zehn Studierende eingeladen.
Gleichzeitig ist das Projekt ein erster Schritt um Gemeinsamkeiten und die Zusammenarbeit der Institutionen nachhaltig zu stärken, Unterschiede herauszuarbeiten aber auch neue Impulse zu setzen. Die Kooperation ist ein wichtiger Beitrag den Tiefdruck als immaterielles Kulturerbe lebendig zu halten.
Die Ergebnisse zum Leitmotiv „Gespiegelt – Perspektiven zeitgenössischer Radierung“ werden an verschiedenen Standorten in Deutschland für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Den Auftakt der Ausstellung bildet das Museum für Druckkunst Leipzig.
Am Freitag, den 19. Juni wird die Ausstellung um 19:00 im Museum in Leipzig eröffnet.
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