75 Jahre TBP-Engineering, 35 Jahre TBP lnterprojekt, 25 Jahre TBP Upcon: Geschäftsführer und Gesellschafter Thomas Wimmer spricht über frische Ideen, Dynamik und Innovationsgeist von TBP im dreifachen Jubiläumsjahr, aber auch über Marktentwicklung, Herausforderungen und Zukunftsfragen.
TBP-Team mit erster Papierrolle aus neuer Fabrik.
Herr Wimmer: Nachhaltigkeit, Kosteneffizienz, sinkende internationale Wettbewerbsfähigkeit: Europas Industrie steht vor vielen Hausaufgaben. Wie stellt sich TBP diesen Herausforderungen?
Thomas Wimmer: Als Beispiel für langen Atem möchte ich die Papier- und Zellstoffindustrie nennen. Papier war schon totgesagt, der Pro-Kopf-Verbrauch steigt allerdings. Die Verpackungsindustrie lebt mit dem Onlinehandel auf. Corona hat hier für einen wahren Boom gesorgt. Wir kommen aus der Papierindustrie und sind mit rund 70 % Geschäftsvolumen dort nach wir vor stark vertreten. Recycling und Nachhaltigkeit sind in der DNA der Papier- und Zellstoffindustrie, hier wurde schon immer in Gesamtkreisläufen gedacht. Ressourcen optimal zu nutzen ist ein Wettbewerbsvorteil, denn Energie- und Rohstoffpreise sind die Kostentreiber. Mit innovativen Ingenieurdienstleistungen im Consulting, Engineering und in der Generalplanung leisten wir einen mitentscheidenden Beitrag.
1950 entstand TBP aus dem voestalpine Anlagenbau. Den gibt es schon lange nicht mehr, TBP schon. Wie machen Sie das?
Thomas Wimmer: Eines unseres Assets ist, dass wir ständig Neues lernen und unseren Horizont erweitern. Es gibt immer Innovationen: neue Produkte, neue Produktlinien oder der Umbau bestehender Anlagen. Aktuell fokussieren wir uns auf die Dekarbonisierung und arbeiten intensiv an Lösungen, die unseren Kunden helfen, ihre Energieverbrauchsstrukturen zu optimieren.
Überall, wo es um Rohre, Drücke, Wärme etc. geht, sind wir dabei. Wir sind sozusagen für das Nervensystem im Körper Industrieanlage verantwortlich, verbinden die einzelnen Teile zu einem funktionierenden Ganzen. Das Know-how, das wir in 75 Jahren in der Papierindustrie aufgebaut haben, nutzen wir auch in der Stärke- und Zuckerindustrie, der holzverarbeitenden Industrie und der Umwelttechnik- bis hin zur Dekarbonisierung der Energieerzeugung. Unsere Kunden hören auf uns und wir auf unsere Kunden. Pro Jahr stellen wir mit unseren 120 Ingenieuren etwa 180.000 Ingenieurstunden zur Verfügung und begleiten unsere Kunden Schritt für Schritt von der Idee bis zur erfolgreichen Projektumsetzung.
„Energie ist der Treibstoff für den Blutkreislauf der Wirtschaft. Gerade der Krieg in der Ukraine mit seinen Folgen verdeutlicht, wie abhängig wir von einer gesicherten Energieversorgung sind. Demzufolge ist die Suche nach alternativen Energien und den dafür notwendigen Erzeugungsanlagen bzw. auch die optimale Nutzung vorhandener Ressourcen ein Gebot der Stunde. Das heißt: Die Planung solcher Anlagen wird immer wichtiger.“
Thomas Wimmer und Thomas Füchsel
Welche Bereiche werden in Zukunft eine große Rolle spielen?
Thomas Wimmer: Elektrik und industrielle Energielösungen werden an Bedeutung gewinnen. Hier bauen wir sukzessive Know-how auf, weil vor allem das Feld der industriellen Stromversorgung und - verteilung von den etablierten Anbietern zusehends vernachlässigt wird.
Dekarbonisierung sorgt für Investitionen, heißt aber auch, dass alles auf Strom umgestellt wird. Großwärmepumpen, um die letzten bisher nicht genutzten Wärmequellen energetisch zu nutzen, sind ein Bereich, in dem wir uns verstärkt engagieren. Mit Ressourcenschonung den Wirkungsgrad um das Zwei- bis Dreifache zu erhöhen, ist das Ziel. Sinnlos ist beispielsweise Abwässer runterzukühlen, besser ist, die Energie daraus zu nutzen. Ebenso die Wärme der Abluft aus verschiedenen Prozessen. Jetzt eine Anlage zu planen, die 5 MW oder mehr an elektrischer Leistung zusätzlich benötigt, ist allerdings nicht so einfach. Dass genügend grüner Strom zur Verfügung steht oder die Leitungsnetze entsprechend ausgebaut werden, wird noch Jahre dauern.
Stichwort Künstliche Intelligenz: Hat der Mensch noch Zukunft?
Thomas Wimmer: Schon jetzt hat sich loT, das Internet of Things, etabliert, wo ständige Messungen und Regulierungen passieren. KI ist eher ein Thema für Automatisierungsfirmen oder Großkonzerne, die Anlagen hochfahren oder überwachen wollen, unabhängig von Menschen. Die Frage ist aber, ob eine Vielzahl von Sensoren samt nötiger Verkabelungen etc. wirtschaftlicher vertretbar ist als ein erfahrener Mitarbeiter, der lenkend eingreift.
„Wir sind wirklich noch mit Stift und Papier an unseren Schreibtischen gesessen und haben die Pläne händisch gezeichnet. Heutzutage muss ich nicht einmal vor Ort gewesen sein. Man arbeitet permanent an einem virtuellen Modell.“
Mario Doppler, seit 44 Jahren bei TBP.
Welche Vorteile hat die Unabhängigkeit von TBP?
Thomas Wimmer: Unsere Unabhängigkeit ist ein großes Gut, das von unseren Kunden geschätzt wird und das wir sorgsam pflegen. Wir sind allein den Interessen unserer Auftraggeber verpflichtet, stellen mit objektiver und neutraler Beratung die preislich und technisch beste Lösung sicher. Wir sind für unsere Kunden persönlich greifbar, bei uns arbeitet der Chef mit. Unsere Hierarchien sind sehr flach, die Entscheidungswege kurz - das macht uns als Unternehmen agil und unsere Mitarbeiter auch. Wir blicken immer auch über den Tellerrand hinaus. ,,Thinks beyond planning" ist bewusst unser Motto.
Wie sehen Sie die Zukunft als eigentümergeführtes Unternehmen?
Thomas Wimmer: Die Zukunft als Familienbetrieb abzusichern, gibt unseren Kunden Planungssicherheit. Immerhin arbeiten wir von kleineren Aufträgen, die wenige Monate dauern, bis zu Projekten mit 300 Millionen Euro Auftragsvolumen, die mehrere Jahre in Anspruch nehmen.
Mittelfristig werden wir wohl strategische Partnerschaften eingehen müssen, um unser hohes Know-how und die Dienstleistungsqualität in zusehends herausfordernden bzw. sogar disruptiven Märkten anbieten können. Ein Zukunftsthema sind möglicherweise auch Mitarbeiter-Beteiligungsmodelle. Größere Sorgen bereitet mir, dass derzeit ein Generationswechsel stattfindet. Klingende mittelständische Unternehmen werden verkauft, so viele Fusionen und Übernahmen wie in den letzten Jahren hat es zuvor nicht gegeben.
Die TBP Group ist ein international tätiges Ingenieur-Dienstleistungsunternehmen für die Bereiche
Kunden von TBP profitieren von einer umfassenden Palette von Ingenieur-Dienstleistungen, Synergien dank breit gestreutem Know-hows und der Flexibilität eines eigentümergeführten Unternehmens mit kurzen Entscheidungswegen: von der ersten Idee über die Inbetriebnahme bis zur Nachbetreuung von Industrieanlagen.
TBP befindet sich zu 100 % im Eigentum der Familien Wimmer und Füchsel, Geschäftsführer sind Thomas Wimmer und Thomas Füchsel.
Komplexe Rohrleitungsführung: Detailliertes 3D-Modell, das die präzise Planung und Integration von Rohrsystemen in industriellen Anlagen veranschaulicht.
Redaktion: sbr
Abbildungen: TBP