P3 7-8/2024 de

Case Study

Mischwälder sind die Wälder der Zukunft

Point of View

Im Jahr 2015 unterzeichneten 195 Staaten in Paris ein Abkommen, in dem sie sich verpflichteten, den weltweiten Temperaturanstieg auf deutlich unter 2°C, vorzugsweise unter 1,5°C, im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Neun Jahre später ist die Situation so, dass dieses Ziel wahrscheinlich nicht erreicht wird. In Finnland, wo ein noch stärkerer Temperaturanstieg als im globalen Durchschnitt vorhergesagt wird, müssen Vorbereitungen für ein Klima getroffen werden, das bis zu 6-8 Grad wärmer ist als heute. Denn mit dem Fortschreiten des Klimawandels ist auch zu erwarten, dass verschiedene Formen von Waldschäden zunehmen werden. Dieses Risiko lässt sich durch eine Diversifizierung der Baumartenanteile verringern.

Generell gilt: Ein Setzling, der heute gepflanzt wird, ist im Schnitt in 80 Jahren ausgewachsen – und das Klima wird dann wahrscheinlich ganz anders sein als heute. Beispielsweise beschleunigen der Temperaturanstieg und der erhöhte Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre das Wachstum der Wälder. Gleichzeitig steigt aber auch das Risiko verschiedener Arten von Waldschäden. Daher müssen schon heute Vorbereitungen auf diese Veränderungen getroffen werden, weiß Timo Lehesvirta, Leading Nature Expert bei Metsä Group: „Auf nationaler Ebene ist die Anpassung an den Klimawandel eine der wichtigsten Aufgaben in Finnland. Unsere Zukunft und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Bioökonomie hängen davon ab.“

Klimaresilienz durch Waldbewirtschaftung

Das Ziel ist dabei, die Wälder besser zu befähigen, sich an den Klimawandel anzupassen. Eine Möglichkeit, den Wald zu unterstützen ist eine entsprechend adäquate Waldbewirtschaftung. Deshalb hat Metsä Group, zu der auch Metsä Board gehört, im Frühjahr 2023 ihre Grundsätze für eine regenerative Forstwirtschaft verabschiedet. Das Ziel dieser Grundsätze ist es, sicherzustellen, dass die Wälder in einem zunehmend vitalen und klimaresistenten Zustand an die nächste Generation weitergegeben werden und so die Grundlage bilden für die Produkte des Unternehmens in der Zukunft. Eines der Grundprinzipien dieses Systems ist die Erhöhung der Baumartenvielfalt – die gleichzeitig ganz allgemein zu mehr Artenvielfalt in den Wäldern beiträgt und eine wesentliche Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel darstellt.

Das Ziel: Mischwälder

In der Praxis bedeutet die Diversifizierung der Baumarten eine Erhöhung des Laubbaumanteils, insbesondere von Birken, im Wald. In den letzten Jahrzehnten hat die Waldbewirtschaftung in Finnland der Fichte den Vorzug gegeben. Fichte-Monokulturen sind jedoch durch den Klimawandel zunehmend gefährdet. Als größtes Risiko gelten Insektenschäden, insbesondere durch den Fichtenborkenkäfer. Er bedroht durch seine Ausbreitung sowohl die Verfügbarkeit von Holzrohstoffen als auch die Kohlenstoffsenken. „Aber der Fichtenborkenkäfer lebt nicht in Laubbäumen“, erklärt Lehesvirta. „Ein Wald, der aus verschiedenen Baumarten besteht, diversifiziert die Gesamtauswahl der im Wald vorkommenden Arten, was sich generell ausgleichend auf die biotischen Lebensgemeinschaften auswirkt.“ Anstelle einer Monokultur strebt die Metsä Group daher jetzt einen Mischwald an, der aus mehreren Baumarten besteht. Wichtig ist, dass diese Laubbäume in allen Phasen der Forstwirtschaft – von der Jungbestandspflege bis zum Verjüngungsschlag – berücksichtigt und im Wald belassen werden.

Die Artenvielfalt verbessert sich

Neben der Resilienz bringt die Förderung eines Mischwaldes noch weitere Vorteile mit sich – beispielsweise für die Artenvielfalt. Denn jede Baumart bietet ein eigenes Biotop für verschiedene Arten, die auf ihr leben. Wenn also die Baumartenvielfalt erhöht wird, steigt auch die Biodiversität in den Wäldern. Hier spielen allerdings nicht nur die Arten eine Rolle: Auch Bäume unterschiedlichen Alters und in verschiedenen Zerfallsstadien werden benötigt, da einige Arten in Bezug auf ihren Lebensraum sehr anspruchsvoll sind. So gibt es beispielsweise 5.000 verschiedene Organismen, die von Totholz leben.

Die Natur verstehen

Laut Lehesvirta ist die regenerative Forstwirtschaft weltweit gesehen eine ausgezeichnete Möglichkeit, die Bioökonomie in der Praxis umzusetzen: „In der regenerativen Forstwirtschaft werden industriell genutzte Baumarten als Teil eines Ökosystems angebaut, an dessen Bedingungen sich die Bäume im Laufe ihrer Evolution angepasst haben. Dieser Ansatz unterscheidet sich grundlegend von der herkömmlichen Landnutzung, wie z.B. durch kultivierte Wälder und Plantagen. Denn diese beruhen auf einer Änderung der Landnutzung und der Beseitigung der ursprünglichen Natur. Wir können die Produktion von Rohstoffen in industriellem Maßstab so organisieren, dass die meisten der ursprünglichen Arten des Gebiets trotz der Produktion weiterhin im Ökosystem vorkommen können.“

Insgesamt ist es das Ziel der regenerativen Forstwirtschaft, sowohl Vitalität und Artenvielfalt als auch die Klimaresilienz der Wälder weiter zu stärken. Wenn dieses Ziel erreicht ist, ist es möglich, dass wirtschaftliches Wachstum nicht mehr mit einer Verschlechterung des Zustands des Waldes einhergeht – stattdessen können die Wälder so genutzt werden, dass sie Rohstoffe, Nahrungsmittel und Erholung liefern und dabei gleichzeitig als Kohlenstoffsenken dienen, Wasser und Luft reinigen und der Erosion entgegenwirken. „Regenerative Forstwirtschaft bietet eine sehr interessante Antwort auf die Frage, wie man angesichts der aktuellen ökologischen Herausforderungen den Boden nutzen kann“, fasst Lehesvirta zusammen. „Sie ist auch ein gutes Beispiel für die Bemühungen von Metsä Group, im Einklang mit der Natur zu arbeiten.“

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