P3 5-6/2025 de

Editorial

Editorial

Das Unternehmen hat sich verpflichtet, eine weltweit führende Rolle in Innovation, Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu bekleiden!

(Direkt aus dem Phrasenschwein.)

Liebe Leserinnen und Leser!

Der geschätzte Kollege Klaus-Peter Nicolay hat kürzlich in einem Editorial der Fachzeitschrift Druckmarkt unter dem Titel „Nicht einmal mehr Verachtung“ deutliche Worte für das Verhältnis zwischen Unternehmen auf der einen und unabhängigem Journalismus auf der anderen Seite gefunden. Grundtenor: In vielen Fällen scheint es den Herstellern inzwischen nur noch um maximale message control zu gehen. Fassade über alles. Auf diesem Weg ist unabhängige Berichterstattung unerwünscht – und das wird auch gezeigt.

Nun ist es nicht überall so, aber ich muss gestehen, diese harsche Einschätzung in vielen Bereichen teilen zu können. Häufig merken die Marketingler noch nicht einmal, dass durch die Verwendung der immergleichen, plattgebügelten Phrasen jegliches Profil verlorengeht. Viele Unternehmen kann man inzwischen anhand ihrer Öffentlichkeitsarbeit nicht mehr voneinander unterscheiden. Dennoch glauben sie, dass soziale Medien ihr heiliger Gral sind. Das Paradies der Ja-Sager – alles andere kann man abdrehen. – Warum aber diese Angst vor Ehrlichkeit, Transparenz und unbequemen Fragen? Weiß man um die Leichen und das Greenwashing im eigenen Keller oder – noch schlimmer – weiß man es nicht, weil Marketingabteilungen inzwischen eigene Königreiche sind, die längst unabhängig und in Unkenntnis des „restlichen“ Unternehmens regieren? Im Grunde gemommen schreit vieles, was in unseren Pressefächern landet, laut: „Unsere Kunden sind so abgestumpft, die glauben sowieso alles.“

Die Krux: Am anderen Ende der Kette tritt leider hie und da ein merkwürdiges Verhalten auf, das diese Einschätzung zu bestätigen scheint: „Wir interessieren uns für Ihre Arbeit nur, wenn sie in gedruckter Form vorliegt.“ Sollte es nicht im Herzen um den Inhalt gehen? „Wir wollen etwas, das bei uns als Nachweis im Regal liegt. Der Inhalt ist eigentlich nicht so wichtig.“

Und womit bügeln Sie?

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre!

Ihr

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