Cyberangriffe zählen heute zu den größten Gefahren für Unternehmen und fallen daher klar in den Verantwortungsbereich der Unternehmensleitung. Dennoch bleibt das Thema für viele CEOs schwierig zu greifen. Kommunikationsprobleme mit CISOs, mangelndes Bewusstsein für Risiken und ein falsches Gefühl der Sicherheit verhindern oft ein angemessenes Schutzniveau. Eine stärkere Verzahnung der Sicherheits- mit der Geschäftsstrategie ist essenziell, um Risiken gezielt zu minimieren. Unternehmen müssen ihre Cybersicherheitsmaßnahmen messbar machen und sich auf jene Bereiche konzentrieren, die den größten Schutz und Nutzen bringen. Dies verbessert nicht nur die Sicherheitslage und hilft, regulatorische Anforderungen zu erfüllen, sondern verschafft auch einen Wettbewerbsvorteil.
Eine Cybersicherheitsarchitektur zu modernisieren, heißt nicht, dass man alles neu machen muss.
Noch immer glaubt die große Mehrheit der Mittelständler, dass das Risiko für einen erfolgreichen Cyberangriff auf das eigene Unternehmen gering ist. Doch eine aktuelle Studie des Branchenverbands Bitkom zeigt: Cyberkriminelle greifen verstärkt die deutsche Wirtschaft an. 74 Prozent der Unternehmen waren 2024 vom Diebstahl sensibler Daten betroffen oder vermutlich betroffen, 70 Prozent wurden Opfer digitaler Sabotage. Im Vergleich zum Vorjahr sind diese Zahlen gestiegen – ebenso wie die erfolgreichen Ransomware-Attacken. Fast ein Drittel der Befragten (31 Prozent) berichten von erpresserischen Vorfällen. 2023 waren es nur 23 Prozent. Gerade mittelständische Unternehmen sind ein attraktives Ziel für Cyberkriminelle. Denn hier gibt es lukrative Daten zu erbeuten und vergleichsweise wenig Gegenwehr zu erwarten. Viele der Unternehmen sind über Jahre gewachsen, zählen zu den Hidden Champions und haben eine führende Marktposition in ihrem Segment. Oft sind sie aber schlechter geschützt als große Konzerne, weil ihnen Security-Fachkräfte, Ressourcen und Know-how fehlen.
Ein neues Risikobewusstsein ist gefragt
Daher ist ein neues Risikobewusstsein gefragt. Die Unternehmensleitung muss Verantwortung übernehmen, Risiken qualifizieren und quantifizieren können sowie Sicherheitsstrategien aktiv vorantreiben. Eine umfassende Sensibilisierung für Cybersicherheit ist nicht nur Voraussetzung, um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, sondern auch entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Doch in der Praxis scheitert die Modernisierung oft an fehlenden Ressourcen und Know-how. Der Fachkräftemangel erschwert es, Experten zu finden, und viele Unternehmen kämpfen mit Kapazitätsproblemen im IT-Alltag. Zudem fehlt oft eine klare Strategie: Investitionen in neue Technologien werden zwar getätigt, aber ohne die notwendigen Messkriterien bleibt unklar, ob die Maßnahmen tatsächlich effektiv sind. Die Frage, welche Risiken priorisiert und mit welchen Maßnahmen adressiert werden sollten, bleibt häufig unbeantwortet – was den potenziellen Nutzen stark einschränkt.
Security-Technologien optimal nutzen
Neue Technologien allein lösen keine Sicherheitsprobleme. Damit sie ihren vollen Nutzen entfalten können, müssen sie optimal implementiert, konfiguriert und kontinuierlich aktualisiert werden. In der Realität scheitert dies häufig an mangelhafter Integration: Wichtige Funktionen bleiben deaktiviert, Datenquellen werden nicht angebunden, oder die generierten Telemetriedaten bleiben ungenutzt. Oft verhindert die Inkompatibilität unterschiedlicher Systeme eine konsolidierte Sicht auf Bedrohungen, während zugleich das nötige Personal fehlt, um Warnmeldungen zu analysieren und Maßnahmen einzuleiten. Dieses ungenutzte Potenzial schwächt die Wirksamkeit vieler Security-Investitionen.
Die Priorisierung von Schwachstellen – ein Schlüsselfaktor
Eine zentrale Herausforderung für IT-Sicherheitsverantwortliche ist der Umgang mit der Flut an Sicherheitslücken, die ständig bekannt werden. Allein im letzten Jahr meldete das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) über 2.000 neue Schwachstellen pro Monat. Doch nicht alle stellen für jedes Unternehmen ein gleich großes Risiko dar. Statt sich allein auf Kennzahlen wie den CVSS-Wert (Common Vulnerability Scoring System, beschreibt allgemein die Kritikalität von Sicherheitslücken) zu verlassen, sollten Unternehmen ihre individuelle Risikoexposition analysieren. Nur so können die für sie wirklich wichtigen Schwachstellen identifiziert und gezielt Maßnahmen mit dem größten Effekt ergriffen werden.
Ganzheitliche Ansätze für mehr Effizienz
Ein Plattformansatz, kombiniert mit der Unterstützung erfahrener Security-Experten, kann viele Herausforderungen lösen. Über Jahre gewachsene, heterogene Sicherheitslandschaften mit einer Vielzahl an Insellösungen behindern oft die Visibilität und erhöhen den Administrationsaufwand. Eine konsolidierte Plattform ermöglicht es Unternehmen, diese Komplexität zu reduzieren, Prozesse zu automatisieren und Datenquellen zu integrieren. Das Ergebnis ist ein umfassender Überblick über die Bedrohungslage und eine effizientere Priorisierung von Risiken. Managed Security Services können dabei kleinen Teams helfen, selbst wachsenden Anforderungen gerecht zu werden. Durch die Verknüpfung von Angriffserkennung und Risikomanagement lassen sich Investitionen gezielt steuern und der größtmögliche Nutzen aus Cybersicherheitsmaßnahmen ziehen.
Ausblick
Eine Cybersicherheitsarchitektur zu modernisieren, heißt nicht, dass man alles neu machen muss. Viele Unternehmen haben bereits eine solide Grundlage, auf der sie aufbauen können. Mit einem Plattformansatz lässt sich die bestehende Infrastruktur simplifizieren, konsolidieren und auf das nächste Level heben. Entscheidend ist, die IT-Security zielgerichteter und messbarer zu verbessern. Ist die Geschäftsleitung in der Lage, das individuelle Cyberrisiko zu qualifizieren, quantifizieren, kommunizieren? Basiert die Aussage „Wir sind gut aufgestellt?“ lediglich auf einem Gefühl, oder auf objektiven Kriterien? Indem Unternehmen sich auf die Maßnahmen fokussieren, die den größten Nutzen bringen, können sie kosteneffizient und schnell voranschreiten. Oft sind mit wenigen Maßnahmen große Fortschritte zu erzielen.